Mittwoch, 27. Januar 2016

Picasso kann einpacken!

Wenn dich Kinderaugen anblicken, sagen sie: "Hilf mir, es selbst zu tun. Zeige mir, wie es geht. Tu es nicht für mich. Ich kann und will es allein tun."
In diesen Worten Maria Montessoris steckt soviel Wahrheit. Ihren Gehalt spürt man täglich. Kinder wollen. Kinder können. Kinder tun es.

Kunstunterricht. Die Klasse ist ruhig und voll freudiger Erwartung. Die Stunde eröffne ich mit einer kurzen Einführung und stelle folgende Frage: Wisst ihr, wie man es mit nur ganz wenigen Pinselstrichen schafft, ein Küken zu malen?" Die Klasse antwortet chorisch: "Zeig mal, Herr Klafki!" Ich berufe mich auf Picassos berühmteTierskizzen und zeichne mit wenigen Kreidestrichen:






"Seht her, ganz einfach! Strich hier, Strich da und fertig ist Küken Kunigunde." Die Kinder lachen und wollen auch sofort loslegen. "Ihr könnt das aber vieeeeel besser als Picasso, wenn ihr nur Farbe mit ins Spiel bringt! Überlegt euch ein Motiv. Es kann ein Vogel sein, ein Pferd, eine Blume...was immer ihr wollt...zeichnet mit Bleistift vor und dann füllt das Blatt mit Farbe. Zeigt es Picasso: Was der kann, könnt ihr schon lange!" Es bedurfte keiner weiteren Erklärung. Die Kinder waren voll in ihrem Element. Und die Ergebnisse sprechen eine klare Sprache: Wozu Kinder mit 6/7 Jahren bereits fähig sind, ist bemerkenswert, wunderbar. Picasso kann einpacken!















Freitag, 22. Januar 2016

Ich habe einen Plan.

Die Unterrichtsplanung ist für einen Grundschullehrer ein besonders spannendes Feld der Betätigung. So hat man zwar einerseits einen Plan entwickelt, was man wie den Kindern beibringen möchte...man darf dabei aber eine unvorhersehbare Komponente nie vergessen: die Kinder. So stand zwar heute Deutsch und Mathematik auf dem Stundenplan, für beides war aber nur wenig bis gar keine Zeit, weil Manni* ein Buch mit in die Schule brachte, in dem es um die Entstehung der Erde, der Tiere und des Menschen ging. Das ist spannend. Es beinhaltete tolle Bilder, die erklärt werden wollten. Natürlich hat mir Manni sein Buch gleich morgens stolz präsentiert und mir viele Fragen dazu gestellt: "Ist das ein Alien?" "Nein Manni, das könnte man zwar vermuten, aber es handelt sich um ein Insekt." "Und das hier?" "Manni, das ist ein Skelett eines Dinosauriers." "Und das?" ...es ging eine Weile weiter so und es bildete sich eine Traube voller begeisterter und interessierter Kinder um den Lehrertisch, die nun ihrerseits begannen, Fragen zu stellen. Der Deutschunterricht hatte längst begonnen. Pustekuchen. Und doch: Genau in solchen Momenten merkt man, wie wissbegierig Kinder sind. Und so haben heute alle gelernt, was der Unterschied zwischen Bakterien und Parasiten ist, warum die Dinosaurier ausgestorben sind, wieviele Menschen auf unserem Planeten leben und wieviele Nullen eine Milliarde hat. So etwas kann man nicht planen. Aber es ist ein Geschenk, in derart wissbegierige, begeisterte Kinderaugen schauen zu dürfen. Und für den Laut "sch" und die Festigung der Subtraktion ist ja auch noch am Montag Zeit. Ich kann das ja mal planen...

*Name geändert

Donnerstag, 14. Januar 2016

Berufswunsch: Wissenschaftler. Oder doch lieber Superstar?

Fragt man Kinder nach ihren Berufswünschen, so erhält man mitunter kreative Antworten. "Also ich möchte Wissenschaftler werden! Ich werde eine Maschine erfinden, mit der man in die Vergangenheit reisen kann, um alles, was man falsch gemacht hat, richtig zu machen!" Wow. Und das sicher vorgetragen von einem 6-jährigen Kind. Ich reagiere begeistert, lobe, entgegne aber: "Mensch, da hast Du Dir ja wirklich viel vorgenommen. Wunderbar! Dann ist also Mathematik eines deiner Lieblingsfächer, oder? Mathematik ist nämlich sehr wichtig, um so eine Art von Wissenschaftler zu werden. Toll, dass Dir Mathe so gut gefällt!" Das Kind entgegnet mir: "Weißt Du, ich habe zwei Gehirnhälften...eine ist für Deutsch, da ist wenig drin. Und eine ist für Mathe, da ist noch vieeeel weniger drin! Hm. Dann werde ich doch lieber Superstar und bezahle diejenigen, die Mathe können dafür, dass sie meine Maschine erfinden!"

Problem erkannt. Problem gelöst. So einfach ist das.

Montag, 11. Januar 2016

Liebe Eltern, geht mit euren Kindern am Wochenende raus - bitte!

In meiner Kindheit nutzten meine Freunde und ich die freie Zeit am Wochenende, um Weltbewegendes zu erleben: Dämme bauen, Wälder erkunden, den richtigen Stock für alles Mögliche finden, durch Pfützen springen, Kaulquappen fangen, Blätter sammeln, den längsten Regenwurm finden...und und und. Das hat nicht nur jede Menge Spaß gemacht und war gesund, weil wir an der frischen Luft waren, sondern hatte auch einen positiven Nebeneffekt: Durch das Austoben am Wochenende waren wir montags für unsere Lehrer halbwegs zu ertragen.
Frage ich heutzutage an Montagen Schüler, was sie am Wochenende alles erlebt haben, kommen überwiegend Antworten wie: Super Mario Maker gespielt, Nintendo gespielt, Tablet gespielt, Filme und/oder TV geschaut. Super. Ganz toll. Ausgezeichnet. "Wart ihr auch mal draußen?" Schweigen. Aber nicht lange. Denn durch das fehlende Austoben am Wochenende sind die Kinder vollkommen unausgelastet, unkonzentriert, unaufmerksam und hibbelig. Wie ein Hund, der zwei Tage nicht raus durfte. Wie ein Hamster im Rad - auf Amphetaminen. Und ohne Rad. Wie eine Katze, der man beim Fressen heimlich eine Gurke an die Seite legt. Da geht´s ab. Da geht´s rund.
Dabei ist die Lösung so einfach. Darum, liebe Eltern, geht mit euren Kindern raus. Sie werden es euch danken! Und ihre Lehrer auch. Vor allem montags. 

Freitag, 8. Januar 2016

Wenn der erste Schnee fällt...

Wenn der erste richtige Schnee fällt, gibt es bei Kindern kein Halten mehr - bei fast allen.

Nach zwei Stunden bangen Wartens und langweiliger Mathematik eröffne ich der Klasse, dass wir jetzt gemeinsam Frühstück essen und anschließend raus gehen. Nach abklingendem Jubel und einer kurzen Belehrung frühstücken wir. Merklich schneller als sonst sind alle fertig. Ich frage in die Klasse: "Frühstückt noch jemand?" Alle antworten chorisch: "N E E E E E I N!" Folglich ermahne ich die Kinder, dass wir erst raus gehen, wenn es muxmäuschenstill ist und alle Plätze sauber sind. Ruhe. Herrlich. Ich genieße die Stille für einen Augenblick, grinse in den Raum, erblicke sehnsuchtsvoll auf ein Zeichen wartende Kinder und rufe: "GOOO!" Die Hausschuhe fliegen in die Ecke, die Stiefel werden angezogen. Jacke an, Mütze auf, Handschuhe: check. Alle draußen. Fast alle. Beim Zählen der eifrig Schneemann bauenden Kinder fällt auf, dass jemand fehlt. "Wo ist Amy*?" frage ich in die Menge. Keiner hat Ohren, geschweige denn Zeit für mich. Ich gehe den Pausenhof ab, um sie zu suchen. Nichts. Dann erblicke ich ein kleines Köpfchen, dass aus der halb geschlossenen Eingangstür der Schule ragt. Weinend. Klagend. "Herr Klafki, wo bist Du?" Ich eile zu Amy. "Mensch, Amy, was ist denn mit Dir? Magst Du gar nicht raus kommen und mitspielen?" Nach Luft ringend antwortet sie: "Doch, aber auf einmal waren alle weg! Und du auch! Das geht doch so nicht." Ich lächle sie an, nehme sie an die Hand und gehe mit ihr zurück zur Garderobe. Sie ist barfuß. Ohne Jacke. Ohne Schneehose. Die liegt zwar schon bereit, aber das war alles viel zu aufwühlend, als dass man es hätte schaffen können, sie anzuziehen. Aber die Pudelmütze sitzt. Ein Traum in weiß und pink. Darauf kann man aufbauen. Schneehose an. Jacke an. Handschuhe. Los geht´s! Wer weiß, wie lange der Schnee liegen bleibt. Und überhaupt. Wenn der erste Schnee fällt, gibt es kein Halten mehr!

*Name geändert

Donnerstag, 7. Januar 2016

"Du, Herr Klafki"

Beim Blick in die Klasse fällt mir auf, dass ein Schüler etwas kränklich wirkt. Ich gehe zu ihm, beuge mich hinunter und flüstere: "Max*, Du siehst etwas krank aus. Geht es Dir gut?" Der Schüler blickt mich an, umarmt mich und führt aus: "Du, Herr Klafki, soll ich Dir mal etwas erzählen? Ich bin heiser, habe einen Pickel am Finger und meine Haut über dem linken Zeigefinger hat sich etwas gelöst...ich glaube, ich bin krank."

*Name geändert

Das erste Zeugnis.

"Liebe 1b, in vier Wochen bekommt ihr euer erstes Zeugnis! Weiß jemand, was ein Zeugnis ist?" Kevin Prince*: "Das ist was, wo so Sachen drauf stehen. Und wenn Papa beim Anblick des Dings, äh Zeugnis, lächelt, gibt es Geld."

Wo er recht hat, hat er recht.

*Name geändert

The Police war gestern. Heute singt man ATEMLOS

Deutsch-Unterricht 1. Klasse:
Wenn die halbe Klasse bei der Einführung des neuen Buchstabens D und dem Hinweis, dass man jetzt gemeinsam tolle Lieder singen kann, wie aus der Pistole geschossen, im Chor: "A T E M L O S durch die Nacht" grölt, weiß man, dass man als Lehrer ganz viel musikalische Aufbauarbeit leisten muss. Ach, was sage ich, ENTWICKLUNGSHILFE!

"Abgucken bringt ja wirklich nichts!"

Zitat eines Schülers nach zwei Minuten des 1. Mathetests und vorangegangenen, mehrfachen und deutlichen Hinweisen, dass Abschauen beim Nachbarn a, nichts bringt, weil es Gruppen gibt und b, zu einer vorzeitigen Abgabe samt Eintrag im Hausaufgabenheft führt: "Abgucken bringt ja wirklich nichts! Anna* hat ja wirklich gaaanz andere Aufgaben als ich!"

Ohne Worte.

*Name geändert

Manni lädt noch.

Nach der morgendlichen Begrüßung stelle ich der Klasse eine Frage zum gestrigen Stoff.
Manni* meldet sich. "Manni*, ja?"
"Also, ähm, ich weiß die Antwort, also, ähm..." (5 Sekunden vergehen)
Daraufhin konstatiert ein Mitschüler trocken: "Herr Klafki, Manni lädt noch."

Den kannte ich noch nicht.

*Name geändert