Dienstag, 22. November 2016

Essen mit Liebe.

Das Schulessen ist ein Kapitel für sich. Günstig sollte es sein, lecker und gesund sowieso. Das ist der Plan. Die Wirklichkeit sieht dann aber doch oft anders aus...

Mir fiel in der letzten Zeit auf, dass Manni* sein Mittagessen oft verweigert oder nur sehr spärlich isst. Auch heute wieder. Er hat sich nur ein paar wenige Kartoffeln geben lassen und stocherte etwas mit seiner Gabel an ihnen herum. Ich setze mich neben ihn und frage: "Manni, sag mal, das Essen ist nicht gerade eine Wucht heute, oder?" "Herr Klafki, das kannst du laut sagen!" Wir grinsen. "Aber sag mal, so ganz schlecht ist es doch nun auch wieder nicht, oder was meinst du?" Manni blickt mir tief in die Augen. "Herr Klafki, soll ich dir mal etwas sagen? Es fehlt etwas. Die entscheidende Zutat." Ich bin gespannt. "Verrätst du mir, welche Zutat fehlt?" "Na ganz einfach, Herr Klafki, LIEBE. In dem Essen hier fehlt die Liebe. Meine Mama kocht immer mit Liebe. Meine Oma auch. Und da ist es immer lecker. Ohne Liebe schmeckt das einfach nicht."
Da kannst du nichts mehr hinzufügen. Ich fühle mit ihm. Wir vereinbaren, dass er die Kartoffeln nicht essen muss, sich dafür aber an der Obsttheke bedient. "Das Obst da ist frisch und lecker. Und liebevoll abgewaschen ist es auch. Da ist also richtig Liebe drin!" Manni lacht mich an, nimmt sich einen Apfel und saust auf den Pausenhof.

*Name geändert 

Freitag, 11. November 2016

Warum lachen Erwachsene weniger als Kinder?

Kinder lachen am Tag durchschnittlich 400 mal. Erwachsene im Schnitt nur 15 mal. Das ist erstaunlich. Furchtbar. Und ich mache da nicht mit. Das bekomme ich, unter den gegebenen Umständen, zu meinem Glück auch gar nicht hin.

Deutschunterricht. Die Kinder sind in der Stillarbeit vertieft. Thema: saubere Heftführung. Die Klasse ist ruhig und arbeitet. Beim Durchgehen fällt mir auf, dass Manni* gar nicht an der Schreibaufgabe arbeitet sondern akribisch ein Bild malt. Aha. "Manni, sag mal, was machst du denn da?" Schweigen. Null Reaktion. Ich setze mich neben ihn und frage erneut nach: "Manni, jetzt mal im Ernst, was machst du da?" Manni dreht sich zu mir, schaut mir tief in die Augen und antwortet: "Herr Klafki, psssssst, du störst mich." Ich habe wirklich Schwierigkeiten damit, nicht laut zu lachen. "Wobei störe ich dich denn?" "Na ganz einfach, Herr Klafki, du störst mich beim Unterricht. Ich bin vertieft in der Arbeitsphase." Da hast du keine Worte mehr. "Manni, deine Schlagfertigkeit belohne ich selbstverständlich mit einem Extrastern im Hausaufgabenheft, ich möchte dich jedoch darauf hinweisen, dass der tatsächliche Arbeitsauftrag ein anderer war. Weißt du noch, welcher?" Manni schlägt seine Hände vors Gesicht und entgegnet merklich leidend: "Ja, wir sollen den sauberen Hefteintrag üben, Herr Klafki." "Richtig, Manni, schön, dass du das noch weißt." In der Folge vereinbaren wir, dass er an seinem Kunstwerk weiterarbeiten kann, wenn er die Schreibaufgabe erledigt hat. Er ist widerwillig einverstanden und legt los. Dieses Mal mit der richtigen Aufgabe.

In der anschließenden Pause kommt Tamme* zu mir an den Lehrertisch. Er stellt sich still neben mich. "Tamme, was ist faul im Staate Dänemark?" Tamme lacht. Er antwortet: "Weißt du, weil du manchmal so komische Sachen sagst, schreibe ich Tagebuch darüber. Zuhause lese ich das dann immer meinen Eltern vor und die lachen sich jedes Mal scheckig!" "Na das ist ja wunderbar, Tamme. Herzlichen Glückwunsch! Was schreibst du denn da so alles auf?" "Na eben so etwas wie gerade eben. Letztens hast du doch in Mathe angefangen zu rappen. Das habe ich mitgeschrieben." Eieiei. Beim Erklären einer Aufgabe reagierte Sandy* kopfschüttelnd mit: "Wie jetzt?" Ich fuhr fort mit den Worten von Samy Deluxe: "...ihr Typen wollt rappen wie ich, deluxe mäßig flows und styles kicken wie ich? Ich sage wie jetzt, von euch Typen will jeder mitspielen, MCn und DJn nur leider geht da nicht viel!" Ich habe mehrere Minuten gebraucht, um die Klasse wieder zu beruhigen. Am Ende der Stunde hat aber jeder die Aufgabe verstanden. Und darum geht es ja. Nicht darum, das bierernst zu machen.

Was das Lachen angeht, versuche ich mit meinen Schülern mitzuhalten. Das ist eigentlich nicht schwer. Und deswegen mache ich das auch einfach. Es gibt schließlich durchschnittlich 400 Gründe am Tag, um zu Lachen. Und dafür bin ich einfach nur dankbar.

*Namen geändert