Dienstag, 10. Januar 2017

Methoden und Rituale. Oder: Einfach mal über den Schulhof fetzen.

Kinder brauchen Rituale. Sie geben Halt, Sicherheit und stärken das Wir-Gefühl. Das ist klasse, da machen wir mit.

Eines meiner ersten Rituale, die ich eingeführt habe, war der Klassenhut. Darüber habe ich bereits berichtet. Mittlerweile wurde er jedoch von der Eule Ursula abgelöst, einer Handpuppe. Die finden die Kids cooler und gaaaanz flauschig. Ok. Überzeugt. Und da sind wir schon beim zweiten Ritual. Der Abstimmung. Bei mir wird grundsätzlich abgestimmt. "Wir müssen mehr Demokratie wagen." Den Satz bringe ich immer wieder. Vorgetragen mit der Konnotation eines Willy Brandts. Den kennt zwar keiner der Knirpse, gelacht wird aber dennoch. "Herr Klafki, das klingt schräg, wie du das sagst:" Okay. Nehm ich so hin. Mittlerweile können einige Demokratie bereits definieren. In der 2. Klasse. "Demos ist das Volk und kratein heißt herrschen. Das Volk herrscht, Herr Klafki. Also wir." Das haben sie sich gemerkt. Wunderbar. Das gibt einen Stern extra ins Hausaufgabenheft. Prima. Weiter so. Das bringt mich auf das nächste Ritual: die Belohnungen. Mit Belohnungen werfe ich nicht um mich. Die muss man sich verdienen. Bei uns ist das ein drei-Sterne-System, welches jeden Tag zur Anwendung kommt. Morgens wird ein Tagesziel definiert (oder mehrere). Schafft man es vollends, gibt es drei Sterne ins Hausaufgabenheft. Wird das Pensum nicht ganz erledigt, gibt es noch zwei. Hat sich das Kind wenigstens bemüht, so kann es immerhin mit einem Stern rechnen. Das läuft wie ein Länderspiel. Zusätzlich verteile ich besondere Lobeskarten. Für herausragende Leistungen. Schafft es ein Kind der ersten Klasse beispielsweise als einziger von knapp 40 Schülern über den Bock, dann ist mir das so eine Karte wert. Trophäenjäger sind sie alle. Und das kann man sich mit solchen Methoden zu Nutze machen. Klassenhut, Eule Ursula, Mehrheitsentscheidungen, Belohnungen. Check. Noch mehr Rituale? Aber selbstverständlich! Das Läuten meiner Klangschale beispielsweise. Es dient dazu, Arbeits- und Pausenphasen auditiv zu signalisieren. Kann ich nur empfehlen. Oder der Stuhl. Stelle ich still meinen Stuhl in die Mitte des Zimmers, wissen alle bescheid: Jetzt wird gelesen. Fibeln auf, los geht´s. Das läuft mittlerweile nahezu geräuschlos.
Es gibt aber auch Rituale, die ich einfach nicht gut finde und deswegen auch nicht von meiner Klasse abverlange. Händchenhaltend, in Zweierreihe, über den Schulhof gehen ist so eines. Ich lasse die Kids über den Schulhof fetzen. Wie man sich im Straßenverkehr verhält, lernt man gesondert und auch mit dem nötigen Ernst. Aber auf dem Schulhof? Tz. Und wenn ich mir die lachenden Gesichter der rennenden Kinder anschaue, so ist das auch eine ganz besondere Form des Wir-Gefühls. Wie ich finde, eine symphatische. Es hat halt jeder so seine Rituale und Methoden. 

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