Montag, 22. Mai 2017

Die gute Schule.

Sachkunde-Unterricht.

Eingangs frage ich die Klasse: "Was heißt gute Schule für euch?" Die Kinder sollen sich Gedanken machen. "Redet offen darüber, tauscht euch aus. Was ist euch wichtig? Wie stellt ihr euch eine gute Schule vor?" Es nützt ja nichts, wenn man sich als Lehrer alleine zu Hause dazu Gedanken macht. Meiner Meinung nach geben die Kinder dazu fruchtbare Hinweise. "Fragen?" Manni* meldet sich: "Wie jetzt? Wir sollen uns eine Schule vorstellen, so wie wir sie gut finden?" "Disco, Manni. Korrekt eingekreist. Genau das sollt ihr machen. Ab dem Signal habt ihr 10 Minuten Zeit dafür." Meine Klangschale ertönt und emsiges Parlieren erfüllt den Raum. So muss das sein. Alle beteiligen sich. Ein Traum. Während die Kinder eifrig diskutieren, schreibe ich als Überschrift an die Tafel: "Die gute Schule." Anschließend wird darüber gesprochen. Offen. Im Klassenverband. "Was heißt gute Schule für euch?" Alle Hände oben.
"Kevin-Prince*, fang du doch einfach mal an." "Also, für mich ist Schule gut, wenn wir montags über unser Wochenende sprechen. Das ist gut. Das muss dabei sein. In einer guten Schule spielen auch alle miteinander in den Pausen. Und, ganz wichtig: In einer guten Schule sprechen wir auch über Themen, die wir uns aussuchen." Ich bin sichtlich begeistert. "Kevin-Prince, hast du da etwas genaues im Sinn, worüber du sprechen möchtest?" "Ja, wir können doch mal eine Stunde über gefährliche Meerestiere sprechen." Mega. "Super, Kevin, haben die anderen auch solche Ideen, die die Schule gut machen?" Alle Hände oben. Der Reihe nach sprechen alle über ihre Ideen: Manni möchte unbedingt, dass wir mal über Mumien reden. Amelie* mag gerne mal Pferde behandeln, andere wünschen sich Baderegeln, Schleich, die Geschichte des Automobils, Dinosaurier, Lego Nexo Knights, den Hecht oder den Komodowaran als Unterrichtsgegenstand. Ich schreibe fleißig an die Tafel und innerlich klappt mir die Kinnlade herunter. Nachdem die Tafel voll ist mit Ideen, Wünschen und Vorschlägen, eröffne ich den Kindern meinen Plan: "Liebe 2b, wenn das Glück in diesem Moment an nur einem Ort dieser Welt sein kann, dann ist es hier in diesem Raum." Alle lachen. Ich meine das aber durchaus ernst. "Was haltet ihr davon, wenn ihr euch eines dieser Themen aussucht, ein schönes Plakat gestaltet und uns über euer Wunschthema berichtet? Wäre das in eurem Sinne eine Form der ´guten Schule´?" "JAAAAAAAAAAAAAAAA, Herr Klafki! Bitttteeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee!"

Gesagt, getan. Ich gebe jedem Kind vier Wochen Zeit, um einen Vortrag zum selbst ausgesuchten Thema vorzubereiten. "Dann seid ihr die Experten und nicht etwa ich." Mittlerweile waren alle Kinder an der Reihe. Es sind zahlreiche tolle Plakate entstanden, die nun unser Klassenzimmer und das Schulgebäude zieren. Alles selbst ausgesucht, vorbereitet, durch- und ausgeführt. Besser kann das nicht sein. Max* ist jetzt Experte in Sachen Mozart. Er hat völlig frei über den Salzburger Komponisten gesprochen, vor einer gespannt zuhörenden Klasse. Chantalle* hat über Kühe referiert. "Eine Kuh macht Muh, viele Kühe machen Mühe." Recht hat sie. Wolfi* hat über gefährliche Schlangen gesprochen und gleich noch eine Schlangenhaut für alle mitgebracht. Zum Anfassen. Der Hammer. Und das sind nur wenige Beispiele. Dabei lief das immer nach dem gleichen Schema ab: Zunächst führte der Vortragende in die Thematik ein, um anschließend alle Kinder einzuladen, sich das Plakat anzusehen und Fragen zu stellen. Dabei zeigte sich ein um das andere Mal, wie fit die jeweiligen Kinder in ihrem Thema waren. Eben richtige Experten.

Bemerkenswert war zu beobachten, dass alle dem Referierenden den nötigen Respekt zollten, weil sie wussten, wie schwer das ist, alleine vor der Klasse zu stehen und zu reden. Es haben aber alle fabelhaft gemeistert. Einerseits, weil sie über Themen redeten, die sie sich selbst ausgesucht haben und andererseits, weil sie sich so selbst eine Form der ´guten Schule´ gestaltet haben. 

Das wird fortgeführt. Ist doch klar. Lobeskarte für ALLE. Auch das ist klar. Gern geschehen. Ich habe zu danken. Und über das Wochenende sprechen wir montags natürlich weiterhin. Gebongt. 

*Namen geändert.



 
 

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